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Das kleine Einmaleins der Kapitalanlage: 10 wichtige Tipps

Was gibt es bei der Kapitalanlage, auch für Mediziner,
generell zu beachten?

1. Kaufe nur, was du auch verstehst
Nach dieser Maxime handelt auch Star-Investor Warren Buffet, amerikanischer Selfmade-Milliardär und Lenker der legendären Berkshire Hethaway Holding. Allerdings: Würden alle Anleger nach diesem Grundsatz handeln, kämen die meisten wohl über das gute alte Sparbuch kaum hinaus. Denn viele Deutsche leiden unter „finanziellem Analphabetismus“, wie jüngst eine Studie
der Bertelsmann-Stiftung urteilte. Ein Großteil der Befragten zeigte sich weder über Risiko und Rendite noch über die Kosten unterschiedlicher Vorsorge- und Anlageprodukte informiert. Diese Wissensdefizite gefährden die individuelle Vorsorge auch von Besserverdienenden. Hinzu kommt: Über Geld spricht man nicht. Auslöser hierfür sind nach einer jüngst vorgelegten Commerzbank-Studie vor allem emotionale Barrieren, die die überwiegende Mehrheit der Deutschen daran hindern, sich mit ihren privaten Finanzen so zu befassen, wie es notwendig wäre.
Zum vermeintlichen „Anlagedruck“ am Jahresende noch ein Bonmot von Warren Buffet: „Es tut weh, auf so viel Geld zu sitzen, aber nicht so weh, wie etwas Dummes damit anzustellen“, schreibt Buffet in seinem letzten Aktionärsbrief. Recht hat er.

2. Die Naturgesetze der Geldanlage:
Rendite, Risiko und Liquidität
Rendite, Risiko und Verfügbarkeit des investierten Geldes (Liquidität) sind das magische Dreieck jeder Kapitalanlage. Hohe Renditen können meist nicht ohne das Eingehen eines höheren Risikos erreicht werden und auch eine hohe Liquidität geht zu Lasten der Rendite. Wenn Ihnen also jemand zweistellige Renditen ohne Risiko verspricht, setzen Sie ihn lieber direkt wieder vor die Tür, denn das ist schlicht unseriös; derart „einmalige Chancen“ würde im Übrigen kein normaler Mensch mit anderen teilen, sondern selbst wahrnehmen. Risikolos und liquide sind allenfalls festverzinsliche Anlagen bester Bonität und dafür gibt es dann leider derzeit auch nur etwas mehr als 4% Zinsen per annum – vor Steuern wohlgemerkt.
Hohe Renditen gibt es nur zu Lasten der Sicherheit
und/oder der Liquidität.

3. Rendite und Arbeitseinsatz
Seien Sie realistisch: Ansehnliche Renditen sind zumeist das Ergebnis erheblichen persönlichenWissens, Engagements und Zeiteinsatzes. Anleger, die etwa mit Immobilien „reich“ geworden sind, haben meist viel Zeit in die Objektauswahl, die Gestaltung der Finanzierung, die Wahl der Mieter und die laufende Verwaltung usw. investiert. Hinzu kommt meist ein über Jahre gewachsenes Know-how über den regionalen Immobilienmarkt und dessen Perspektiven. Eine über das Normalmaß hinausreichende Rendite ist damit letztlich auch Frucht des persönlichen Arbeitsund nicht allein des Kapitaleinsatzes. Daher darf auch nicht verwundern, dass Anleger, die entweder direkt oder über einen Fonds eine Immobilie erwerben, die sie nie gesehen haben und die an einem Ort liegt, dessen Immobilienpreisniveau und Vermietungssituation sie nicht mal ansatzweise einschätzen können und die dann auch noch – um die prognostizierte Nachsteuerrendite zu optimieren – hochgradig fremdfinanziert wird, häufig auf die Nase fallen; das Geld haben hier andere verdient, nämlich Banken und Vertriebler und das meist gleich zweimal: einmal bei der oft überteuert angebotenen Kapitalanlage und zum anderen bei deren Fremdfinanzierung. Auch die häufig angebotenen Mietgarantien sind selten ihr Geld wert und verschleiern meist nur das nicht marktgerechte Preisniveau der Immobilie.
Faktisch wird hier der Anleger in vielen Fällen schlicht über den Tisch gezogen. Das Ganze läuft gerne so ab: Der Besserverdiener ärgert sich über seine hohe Steuerbelastung und auch der bedrängte Steuerberater hat gegen hohe Einkünfte naturgemäß kein Patentrezept. Da lockt das Steuersparmodell – eine Immobilie soll es sein! Die wird meist auch gleich mit der passenden Finanzierung angeboten, schöne Fotos gibt es gratis, einige Unterschriften und die Steuerersparnisse sind eingefahren.
Was der Anleger nicht weiß: Die Immobilie ist ein alter Ladenhüter oder wird viel zu teuer verkauft. Die Wohnung ist zudem anfänglich viel zu teuer vermietet und die Miethöhe langfristig nicht haltbar. Eine Mietgarantie ist zeitlich befristet und nur so gut wie der Garantiegeber; der aber istvielleicht schon bald pleite. Bei einer Neuvermietung fällt die Miete dann drastisch niedriger aus (wenn sich überhaupt ein Mieter findet!) und deckt Zins- und Tilgungszahlungen bei Weitem nicht mehr. Mit der niedrigeren Miete fällt zugleich der Wert der Immobilie in den Keller. Jetzt wird auch die finanzierende Bank hellhörig und sieht ihre Sicherheiten schwinden.
Das Ende vom Lied: Wegen einiger tausend Euro
Steuerersparnis hat der Anleger langfristig einen
Verlustbringer am Bein, der ihn um den Schlaf und manchmal auch um die komplette Altersvorsorge bringt. Außerdem muss er sich auf einmal mit widerspenstigen Mietern, Nebenkostenabrechnungen, Maklern und Rechtsanwälten rumschlagen. Hätte er doch bloß brav seine Steuern gezahlt – das wäre billiger gewesen!

4. Das sogenannte Portfolio
Setzen Sie nicht alles auf eine Karte! Für die wissenschaftliche Analyse dieser einfachen und klaren Anregung hat der Begründer der modernen Portfoliotheorie, Harry M. Markowitz, immerhin 1990 den Nobelpreis erhalten. Markowitz beweist, dass durch die optimale Streuung von Risiken (auch Diversifikation genannt) wesentlich höhere Renditen bei geringerem Risiko erzielt werden können. Professionelle Anlageberater greifen auf die Markowitzsche Portfoliotheorie zurück, um diesen Effekt für langfristige Erfolge durch ihren Investmentprozess zu nutzen. Eine Vermögensanlage darf also nie isoliert, sondern muss stets im Kontext des gesamten Portfolios betrachtet werden!
„Ein gutes Portfolio (…) ist mehr als eine lange Liste von Wertpapieren…Es ist eine ausbalancierte Einheit, die dem Investor gleichermaßen Chance und Absicherung unter einer Vielzahl von möglichen Entwicklungen bietet. Der Anleger sollte daher auf ein integriertes Portfolio hinarbeiten, das seinen individuellen Erfordernissen Rechnung trägt“. (Harry M. Markowitz, Portfolio Selection
1959).

5. Fremdfinanzierung
Werden Kapitalanlagen fremdfinanziert, so kann dadurch die Rendite auf das eingesetzte Eigenkapital steigen, solange die Fremdkapitalzinsen niedriger sind als die Rentierlichkeit der Anlage. Dieser sogenannte Leverage- oder Hebeleffekt wirkt jedoch in beide Richtungen: Fällt die Rendite der  Kapitalanlage niedriger aus als prognostiziert und deckt damit die Zinsen nicht mehr, so führt dies unmittelbar zu einem Eigenkapitalverlust. Aus der Kapitalanlage wird Kapitalvernichtung.
Daher gilt: Äußerste Vorsicht bei der Fremdfinanzierung
von Kapitalanlagen!

6. Abschreibungsmodelle, Verlustzuweisungen
und die liebe Steuer
Und kommt die goldene Herbsteszeit, ist die Steuersparmanie nicht weit – und der Anlagevertrieb auch nicht. Was leider den meisten immer noch nicht klar geworden ist: Mit sog. Abschreibungs- oder Verlustzuweisungsmodellen wird letztendlich meist keine Steuer „gespart“ im Sinne von endgültig nicht gezahlt, sondern die Steuerzahlung wird nur zeitlich gestundet. Faktisch gewährt der Fiskus dem Anleger lediglich einen zinslosen Steuerkredit. Mit dem zunächst ersparten Geld kann der Anleger arbeiten und es rentierlich anlegen. Dies führt bei entsprechender Steuerprogression zu einer erheblichen Verbesserung der Nachsteuerrendite. Dieser positive Steuereffekt verstellte aber in der Vergangenheit häufig den Blick für die Nebenwirkungen vieler zur Steuerersparnis angebotener Produkte. Insoweit hat die steuerliche Einschränkung dieser Modelle seit Ende 2005 durchaus positive Seiten.
Generell gilt: Eine gute Anlage sollte sich auch „ohne Steuern rechnen“!

7. Definition der Anlageziele und
Selbsteinschätzung

Keiner kann den richtigen Weg für sich finden, wenn er sein Ziel nicht kennt. Bezogen auf die Kapitalanlage bedeutet dies vor allem, den finanziellen Status quo zu ermitteln, seine Anlageziele zu definieren und mit seiner Lebensplanung und individuellen Einstellung zum Risiko in Einklang zu bringen. Wer sich nicht bei Rot über die Ampel traut, sollte auch von hochrisikoreichen Kapitalanlagen die Finger lassen. Eine private Finanz- und Vorsorgeplanung ist mit einem überschaubaren zeitlichen Aufwand und unabhängiger fachlicher Beratung problemlos darstellbar.
Die Lebenserfahrung lehrt leider, dass die Deutschen
mehr Zeit auf den Vergleich der Joghurtpreise bei Aldi und Lidl verwenden als auf die großen Themen Vermögensaufbau und Altersvorsorge. Da wird für den Erwerb des perfekten Staubsaugers mit großer Ernsthaftigkeit das geballte Know-How der Stiftung Warentest eingesetzt und dann für das günstigste Schnäppchen der Samstag in der Einkaufsmeile verbracht; andererseits werden beim Besuch des ach so netten „Anlageberaters“ die neuesten „Vorsorgekonzepte“
oder „Steuersparmodelle“ gezeichnet und so schnell mal Zehntausende von Euros versenkt. Auch an unseren Schulen steht die Amöbe höher im Kurs als das Einmaleins der Kapitalanlage. So werden bereits die Kinder zur leichten Beute für die geschulten Verkäufer der Finanzindustrie erzogen.
Merke: Lebensplanung, Risikoeinstellung und
Finanzplanung müssen individuell abgestimmt
sein!

8. Vorsteuer- versus Nachsteuerrendite
Im Portemonnaie des Anlegers landet natürlich nur, was nach Steuern übrig bleibt. Die Abstimmung der Anlagepolitik auf die steuerliche Situation des jeweiligen Anlegers ist deshalb wichtig. Dies muss aber nicht bedeuten, dass nur die abenteuerlichsten Steuersparmodelle im Portfolio landen. Bei Anleihen etwa kommt es weniger auf die Höhe des Kupons an; auch der Kurs und damit die Nachsteuerrendite sind wichtig; der Markt bietet dementsprechend steueroptimierte Fonds seriöser Anbieter. Mit Zertifikaten lassen sich Steuern auf Zinserträge derzeit sogar noch völlig vermeiden. Auch die Beimischung offener Immobilienfonds kann die  teuerliche Situation entschärfen.
Merke: Auch klassische Kapitalanlagen lassen sich steuerlich optimieren!

9. Über den Wert unabhängiger Beratung
Jeder halbwegs taugliche Betriebswirt wird Ihnen empfehlen, sich auf Ihre Kernkompetenzen zu konzentrieren. Und das ist bei den meisten Ärzten doch wohl die Medizin. Wenn Sie die Beschäftigung mit Finanzen und Kapitalanlage also nicht zu Ihrem persönlichen Hobby auserkoren haben, brauchen Sie kompetenten und möglichst unabhängigen Rat. Dieser ist in Deutschland gar nicht so leicht zu bekommen, denn die meisten Banken, Versicherungen und Finanzvertriebe sind weniger an der Optimierung des Anlegerportfolios als am Verkauf provisionsträchtiger Produkte interessiert. Echte „unabhängige“ Anlageberatung ist in Deutschland ein Phantom – es gibt sie nur höchst vereinzelt. Bittere Wahrheit dabei ist: Die Schuld trägt nicht zuletzt der Kunde selbst, denn ein Angebot, für das niemand zahlen will, hat im freien Markt keine Überlebenschance. Ob beim Rechtsanwalt, Steuerberater oder Architekten; überall ist man gewillt, für Beratung Geld auf den Tisch zu legen. Für eine qualifizierte Finanzberatung einen Stundensatz von 200 € auf den Tisch zu legen, würde dagegen in Deutschland kaum jemandem auch nur im Traum einfallen.
„Was als Anlageberatung daherkommt, ist nichts anderes als purer Verkauf, der sich von den Chancen auf dem Gebrauchtwagenmarkt allenfalls dadurch unterscheidet, dass der Mann hinter dem Bankschalter meist auf Lederschlipse und weiße  Socken  verzichtet.“  (Röhl/Heusinger, Generation Zertifikate, 2004, S. 97).
Auch lässt die Qualität der Beratung teilweise arg zu wünschen übrig und kann etwa bei Banken von Filiale zu Filiale stark schwanken.
Merke: Qualifizierte und unabhängige Beratung ist das A und O und kostet Geld! Dieses Geld ist bei guter unabhängiger Beratung oft gut investiert.

10. Trends versus Strategie
Laufen Sie nicht jedem Trend der Finanzindustrie hinterher! Grundsätzlich muss man sich als Investor einer Tatsache jederzeit bewusst sein: Jeder Tipp und jede Empfehlung an den Märkten sind zu einem Großteil interessengesteuert. Es ist daher wenig zielführend, jedem Trend oder jeder Empfehlung hinterherzulaufen. Ein derartiges zyklisches Anlageverhalten kann auf Dauer teuer werden, zumal jede Umschichtung des Portfolios mit Kosten verbunden ist.
Merke: Hin und her macht Taschen leer!
Eine seriös gemeinte Empfehlung kann also nur derart konstruiert sein, dass aufbauend auf den Risikopräferenzen des Anlegers zusammen mit einem unabhängigen Finanzberater eine langfristig angelegte Strategie erarbeitet wird, die in gewissen Zeitabständen überprüft und gegebenenfalls aktuellen Markterfordernissen angepasst wird. Wie in jedem  anderen Lebensbereich wird eine Strategie erst dann zum gewünschten Erfolg führen, wenn sie angewendet und auch über längere Zeit durchgehalten wird. [12.12.2007]

 



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